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RUMÄNIEN: Ein Quadratmeter Solidarität

Der Kampf gegen die Goldmine in Roþia Montanã geht weiter1. Seit etwa zehn Jahren spielt die Roþia Montanã Gold Corporation (RMGC) auf Zeit. Sie plant den Abbau mehrerer hundert Tonnen Gold und ein Vielfaches dessen an Silber.


In Roºia Montanã wird seit 2000 Jahren Gold abgebaut - die durch die Berge führenden Stollen haben ein Labyrinth gebildet. Das Gold wurde von den im Ort lebenden Familien gefördert. Da gab es die Glücksritter, mehr noch jedoch eine Tradition des Goldabbaus in den Familien. Die Geschichte des Ortes ist also eine lange, und so ist das etwa 1000 Hektar große Gebiet des geplanten Tagebaus reich an alten Gebäuden, Kirchen und Geschichten, die drohen, verloren zu gehen.


Die RMGC hat keine Überlebensperspektive im Sinn, sondern den schnellen Gewinn. So plant sie, das Gold im Tagebauverfahren zu fördern und überdies mit Zyanid aus dem Gestein zu waschen. Als Ahnung der gespenstischen Dimensionen mag die Vorstellung eines 200 Meter hohen Damms genügen, hinter dem die hochgiftigen Abwässer der Zyanid-Waschanlage gestaut werden. Erinnert sei an das durch den Bruch eines ebensolchen Zyanid-Damms verursachte Unglück, das im Jahre 2000 die Theiß quer durch die Ukraine, Ungarn, Serbien und Rumänien verpestete und bis nach Belgrad das Leben im Wasser auslöschte.


Von 900 Häusern im Ort hat die RMGC inzwischen 600 gekauft. Viele Holzhütten mit bis zu drei Stockwerken ragen im Rohbaustadium hinter den Bäumen entlang der Straße empor. Wenn schon kein Gold, so denken sich zeitgenössische Spekulanten, so will man von der RMGC wenigsten die Summe für einen nötigen Abkauf bekommen. Stefania Simion vom Verein der Minen-Gegner, Alburnus Maior, schätzt, dass die RMGC noch einmal 200 Eigentümer zum Verkauf bringen wird. Ein gutes Zehntel der Häuser bliebe nach dieser Schätzung außerhalb des Besitzes der RMGC - was pessimistisch klingt, lässt Stefania Simion und ihre MitstreiterInnen jedoch hoffen. Da das Vorhaben der RMGC mit seinen verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt nicht den erhofften Status «nationalen Interesses» erhielt, darf in Roºia Montanã niemand enteignet werden. Verbleibt nur ein Quadratmeter in der geplanten zentralen Abbauzone Eigentum von Tagebau-GegnerInnen, könnte selbst im Falle vorliegender Genehmigungen das Zerstörungswerk nicht beginnen. Mit gutem Beispiel initiierte im vergangenen Jahr eine internationale NGO die Idee, symbolische Quadratmeter in Roºia Montanã zu erwerben, um so dem möglichen Ausverkauf des Ortes Einhalt zu gebieten.


Derzeit ist das Raubbau-Projekt wieder einmal in die Schranken verwiesen. Im September wurde ein grundlegendes Zertifikat des Planungsverfahrens per Gericht für ungültig erklärt und das Umweltministerium hat kundgetan, Nachreichungen nicht anzunehmen. Das ist gut, aber nicht das Aus für die RMGC. Die hat hämisch verlauten lassen, dass sie halt warten würde, bis in sechs Monaten eine neue Regierung in Bukarest gewählt würde.


Unser Dorfverein Hosman Durabil unterhält seit längerem enge und freundschaftliche Beziehungen zur Kampagne «Rettet Roºia Montanã!»2. Dieses Jahr haben wir uns am Sommerfest der Kampagne beteiligt, zu dem an die 10.000 Menschen auf die Sommerweiden oberhalb des Dorfes kamen. Die Idee der symbolischen Quadratmeter hat uns so gefallen, dass wir sie gerne weiter tragen möchten: Die Wurzeln des Widerstands gegen die Zerstörung von Roºia Montanã, der Lebensgrundlagen von Pflanzen, Menschen und Tieren dort, könnten sich so weiter verzweigen. Daher möchten wir Euch bitten:


Erwerbt einen Quadratmeter Land in Roºia Montanã! Gebt ihn nicht wieder her, solange von Gold die Rede ist!


Dieser Stolperstein vor den Füßen der RMGC soll den Widerständischen ein Zeichen der Solidarität sein. Er schützt auch die Älteren unter ihnen vor den potentiellen Verkaufsabsichten allzu gieriger Erben. Der erworbene Quadratmeter gehört immer zu einem Hof oder Haus in dem Kerngebiet des geplanten Tagebaus. Die EigentümerInnen verkaufen den prozentualen Anteil eines Quadratmeters von ihrem Grundstück. Das ist in Rumänien ein großartiger Vertrauensvorschuss, und uns hat dieser Mut zum Besitz-Teilen besonders gefallen an der Idee. Da nichtrumänische Staatsbürger im Land keinen Boden erwerben können, ist der Kauf des «symbolischen Quadratmeters» nur über Rumänen oder rumänische Rechtspersonen möglich. Sollten Sie keine Kontakte in Rumänien haben, könnte das zum Beispiel unser Verein sein – wenden Sie sich bitte bei Interesse und mit Fragen an uns.


Jochen, Gabi, Lujza


Hosman Durabil


1. Archipel berichtete darüber: Jochen Cotaru, «Gold oder Leben» (Nr. 109, 10/2003)


 


2.    www.rosiamontana.ro


 


Erwerbt einen Quadratmeter


Land in Rosia Montanã!


Die Prozedur: Zuerst wäre es gut, wenn Sie mit uns persönlich Kontakt aufnehmen würden. Der «symbolische Quadratmeter» kostet ca. 40 Euro, hinzu kommen 60 Euro für die Eintragung beim Notar und zehn Euro fallen für Überweisungen und Vollmachten an. Über die Summe von 110 Euro wird ein Spendenvertrag aufgesetzt, in dem klar der Zweck bestimmt wird. Dann überweisen Sie die Spende auf das Konto von Hosman Durabil mit der IBAN-Nummer EUR: RO76.RZBR.0000.0600.0714.2105 bei der Raiffeisen-Bank Sibiu (SWIFT-Code: RZBR.ROBU) mit dem Vermerk «Rosia Montana», der Angabe Ihres Namens sowie einer Telefonnummer oder Emailadresse. Dann wird der «symbolische Quadratmeter» von unserem Verein Hosman Durabil gekauft. Wenn alle Formalitäten erledigt sind, bekommen wir den Grundbuchauszug mit der Katasternummer. Diese tragen wir in eine vorgefertigte Vereinbarung ein, in welcher wir uns als Ihre Vertreter in Rumänien verpflichten, nicht weiter zu verkaufen oder sonstwelche Einkünfte damit zu erzielen und Sie über alle Veränderungen der Lage vor Ort zu informieren. Natürlich können Sie uns noch persönliche Vorschläge machen.


Sie erreichen uns telefonisch (+40.740.959389)  oder per Email hd(at)hosman-durabil.org


 

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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 155 (12/2007)

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