Ende 2025 unternahmen wir eine anderthalbmonatige Solidaritätsreise nach Palästina, um palästinensische Bäuerinnen und Bauern zu unterstützen. Trotz der bedrückenden Stimmung aufgrund des Völkermords in Gaza, der Kolonialisierung, der Apartheid und der Kriege in der Umgebung haben wir viele inspirierende Projekte kennengelernt, die von Palästinenserinnen und Palästinensern geleitet werden. Über diese Vielzahl von Initiativen und ihren schwierigen Kontext möchten wir berichten.
Unsere Reise beginnt in Amman, der Hauptstadt Jordaniens. Israel kontrolliert alle Zugänge zu Palästina, daher ist die Auswahl begrenzt: Man reist entweder über den Flughafen von Tel Aviv oder über Jordanien ein. Wir haben uns für die zweite Option entschieden, obwohl dies bedeutet, drei Kontrollpunkte zu passieren: den palästinensischen, den israelischen und den jordanischen. Für die Palästinenser·innen gibt es keine Wahl: Diese Einreise ist die einzige, die ihnen gestattet ist. Bereits an der Grenze passieren wir Reisende aus dem Westen die Grenze mit einem modernen Bus, während der für Palästinenser·innen reservierte Bus aus einer anderen Zeit zu stammen scheint. Dies ist nur der erste Eindruck eines Apartheid-Systems, das wir entdecken werden.
In Palästina angekommen, treffen wir uns mit unserem Freund Saad, den zwei von uns bereits im Januar besucht haben, in einem Dorf zwischen Olivenbaumterrassen zwischen Ramallah und Nablus. Jede·r im Dorf hat Olivenbäume, und wir helfen Saad bei der Ernte seiner Oliven. Die Olivenbäume sind eine Lebensgrundlage für viele Familien; sie konsumieren oder verkaufen das Öl und die verarbeiteten Oliven. So ein Baum ist unglaublich: Er wächst von selbst, benötigt nicht viel Wasser und kann Hunderte von Jahren alt werden. Das palästinensische Volk hat ihn zu einem Symbol des Widerstands gemacht, vor allem seit die israelischen Siedler ihn ausreissen. Diese Erntesaison war besonders schwierig: 11.500 Olivenbäume wurden in den letzten drei Monaten von der israelischen Armee und den Siedlern gerodet[1]. Und was die Angriffe der Siedler auf Palästinenserinnen und Palästinenser angeht, war der Oktober der gewalttätigste Monat seit 2006[2]. Als ob das noch nicht genug wäre, haben die Bäume aufgrund der Dürre, die seit 1960 beispiellos ist, nur ein Zehntel der üblichen Ernte gebracht.
Was die Angriffe angeht, ist das Dorf relativ verschont geblieben. Die Siedler aus der Umgebung greifen lieber das Nachbardorf an, wo sie bereits eine der beiden Wasserquellen in Besitz genommen haben (die zweite wird nun Tag und Nacht von den Bewohner·innen bewacht). Aber die Siedler sind nie weit weg: In den letzten Monaten wurden sie in der Gegend gesehen, wie sie Karten studierten. Deshalb macht man sich im Dorf ernsthaft Sorgen: Was haben sie vor? Werden sie auch unsere Quelle in Beschlag nehmen?[3] Ein Einwohner erklärt uns, dass die Apartheid auch die Wasserressourcen betrifft. Die Palästinenser·innen haben immer einen Wassertank auf ihrem Dach, da das Wasser für mehrere Wochen abgestellt werden kann. Die Behörden stellen jedoch niemals das Wasser in den israelischen Siedlungen ab, nicht einmal für eine Stunde. Die Wasserspeicherung ist daher für die Palästinenser·innen eine Notwendigkeit.
Saatgutverteilung
Im Dorf treffen wir mehrere Mitglieder des «Palästinensischen Agroökologischen Forums», das sich zum Ziel gesetzt hat, die Agroökologie als Mittel des Widerstands zu fördern. Wir haben das Glück, an einer vom Forum organisierten und durch Spenden von Privatpersonen aus dem Ausland finanzierten Saatgutverteilung teilzunehmen. Den ganzen Vormittag lang kommen die Bäuerinnen und Bauern, um ihr Saatgut abzuholen. Eine Tonne Saatgut wird an etwa fünfzig Personen verteilt. Das Saatgut ist reproduzierbar, und unsere Freundinnen und Freunde hoffen, dass diese Initiative den Wunsch nach einer Rückkehr zum Landleben weckt. Mehr als ein Wunsch ist es aber eine Notwendigkeit: Reisen im Westjordanland werden immer komplizierter, und es ist nicht sicher, ob das Saatgut auch morgen noch frei transportiert werden kann. Vor diesem Hintergrund und in der Überzeugung, dass die bäuerliche Landwirtschaft denjenigen, die sie betreiben, Unabhängigkeit ermöglicht, versuchen die Mitglieder des Forums, die bäuerliche Tradition auf ihren Parzellen am Leben zu erhalten.
Mahmoud* z.B. ist Schafzüchter und Imker im Dorf, während Nour in Ramallah lebt, aber ein Grundstück gekauft hat, um dort Bäume zu pflanzen und es zu einem Ort der Begegnung und des Wissensaustauschs zu machen. Mit Saad pflanzen wir, sobald die Oliven gepresst sind, Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Bohnen und Radieschen zwischen den Olivenbäumen. In einem Nachbardorf baut Laïla Gemüse an, das sie zu einem frei wählbaren Preis an einem geselligen Tag der gemeinsamen Ernte verkauft, an dem sie für alle kocht. Marwan seinerseits hat auf einem Familiengrundstück Weinreben und Pfirsichbäume gepflanzt, wo er auch Gemüse anbaut. Seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis arbeitet er am liebsten nachts und bietet uns jeden Abend, wenn wir ihn treffen, einen Morgenkaffee an. Er ist empfänglich für die Schönheit der Berge, in denen er gerne seine Nächte verbringt, und hat viel Humor. Es fällt schwer, sich einen solchen Menschen im Gefängnis vorzustellen, aber die Realität sieht so aus: Derzeit hält Israel mehr als 11.000 palästinensische Gefangene fest, darunter mehr als 3.500 unter dem Regime der Administrativhaft[4], d. h. die Gefangenen kennen den Grund für ihre Inhaftierung nicht. Ein einfacher Facebook-Post kann sie ins Gefängnis bringen, und jede Bewegung birgt das Risiko, sich der Besatzungsmacht und ihrem Willen auszusetzen.
Massenverhaftungen sind eines der Instrumente zur Kontrolle der Bevölkerung, und natürlich sind auch unsere Freunde aus dem Dorf davon betroffen. Die meisten sprechen nicht über das, was sie im Gefängnis erlebt haben, aber die wenigen Berichte, die wir erhalten, bestätigen, was wir dank der Arbeit von NGOs über die schrecklichen und unmenschlichen Haftbedingungen wissen.[5]
Zwei Welten
Um mehr über die Unterdrückung und das Kolonialsystem zu erfahren, fahren wir nach Bil'in, einem Dorf, das für seinen friedlichen Widerstand gegen die Trennmauer bekannt ist, welche die Palästinenser·innen im Westjordanland einschliesst6. Hier haben sich die Dorfbewohner·innen jahrelang mobilisiert, um zu verhindern, dass die Mauer durch ihr Dorf verläuft. Nach einem Sieg vor Gericht im Jahr 2007 wurde die Mauer weiter vom Dorf entfernt verlegt und 2016 auf dem zurückgewonnenen Land ein Bauernhof errichtet. Auf diesem Bauernhof sind wir untergebracht, direkt gegenüber einer der grössten israelischen Siedlungen im Westjordanland (Modi'in Ilit, mehr als 80.000 Einwohner·innen). Von ihr trennt uns die Mauer, die sich zwischen den Hügeln erstreckt. Wir sind überrascht vom Kontrast zwischen dem Grün des Bauernhofs und den Olivenbaumterrassen auf unserer Seite und den tristen Betongebäuden auf der israelischen Seite. Wir sind uns so nah, dass die Geräusche der Siedlung den Alltag auf dem Bauernhof begleiten: Wir hören Stimmen, Musik, Baustellengeräusche... Aber es sind zwei Welten, die sich auf absurde Weise gegenüberstehen. Während die Siedler·innen sich durch die Mauer, die sie umgibt, offenbar «geschützt» fühlen, bedauern die Palästinenser·innen, dass sie keinen Zugang mehr zum Meer haben. Die Mauer ist leider nicht das einzige Hindernis für die Bewegungsfreiheit der Palästinenser·innen: Selbst innerhalb des Westjordanlands erschweren die allgegenwärtigen Checkpoints jede Fortbewegung oder machen sie vorübergehend unmöglich.
Auf dem Bauernhof ist alles als Mittel des Widerstands gedacht: Wir trinken Tee auf einer Terrasse mit Blick auf die Siedlung, und von allen Gebäuden aus bieten die Toiletten den schönsten Panoramablick. Alle Gebäude sind leicht und demontierbar: Wir befinden uns in Zone C7, wo feste Bauten verboten sind. Auf den Hügelbeeten des Gartens wird alles angebaut, von Kohl über Zitronengras bis hin zu Papaya. Besondere Aufmerksamkeit wird der Bodenbearbeitung gewidmet, wobei Kompost und ökologischer Dünger aus eigener Produktion verwendet werden. Die schöne Erde des Bauernhofs steht im Kontrast zu den kargen und steinigen Böden der Region.
Zurück in Palästina
Im Dorf Bil'in treffen wir Bilal, einen grossen Mann um die dreissig, der uns auf Deutsch anspricht. Er lebt bei der Familie seiner Schwester, die uns einige Tage lang herzlich in ihrem Haus aufnimmt. Bilal hat die letzten zehn Jahre in Deutschland gelebt und erzählt uns in bewegenden Gesprächen, wie sein Leben als Palästinenser seit dem 7. Oktober 2023 zur Qual geworden ist. Nachdem er seinen Job verloren hatte, von seinem Nachbarn schikaniert wurde und von seinen Freunden isoliert war, beschloss er vor nur sechs Monaten, nach Palästina zurückzukehren. Er leidet immer noch unter dem Rassismus, den er in Deutschland erfahren hat, aber seit seiner Rückkehr hier fühlt er sich besser, trotz der schwierigen Bedingungen in seinem Dorf. Seine Familie war eine der Säulen des friedlichen Kampfes gegen die Mauer, und er macht uns das Ausmass der Besatzung bewusst: Alle Familien des Dorfes haben Angehörige verloren, die vom Militär getötet wurden; die meisten Männer wurden zeitweise inhaftiert und gefoltert.
Die Kolonialisierung
Seit einigen Monaten hat das Dorf einen neuen Einwohner: Ein Siedler hat sich auf einem nahe gelegenen Hügel niedergelassen. Wir sehen ihn mit seinem Auto von seinem Haus herunterfahren und mit lautem Hupen und Blaulicht eine Runde durch das Tal drehen. Sofort sind die Menschen in Alarmbereitschaft, versammeln sich und beobachten den Neuankömmling aus der Ferne. Dieser ist nicht harmlos, denn er hat bereits mehrere Menschen getötet und ist dafür ungestraft geblieben. So beginnt die Kolonisierung: Ein Israeli kommt und stellt irgendwo ein Wohnmobil auf. Er stiehlt Tiere und macht den Einheimischen Angst. Die Keimzelle der Siedlung wächst dann mit der Ankunft neuer Menschen. Die Siedler bauen Strassen, Schulen, Wasseranschlüsse usw. Ab einem bestimmten Stadium wird die Siedlung von Israel «legalisiert» (aber nicht im Sinne des Völkerrechts), und der hebräische Staat treibt die Schande so weit, dass er den Menschen, die sich dort niederlassen, Subventionen gewährt. Wenn die Siedlungen wachsen, erhalten die umliegenden Häuser Abrissverfügungen, und die dort lebenden palästinensischen Familien haben dann nur zwei Möglichkeiten: entweder ihre Häuser selbst zu zerstören oder darauf zu warten, dass die Armee sie zerstört und ihnen die Rechnung dafür präsentiert. Da bereits mehrere Häuser des Dorfes einen Abrissbefehl erhalten haben, kann man sich nur Sorgen um die Zukunft unserer Freunde machen. So wird Palästina Stück für Stück von Fundamentalisten aufgefressen, mit dem Segen des israelischen Staates, der ihnen Waffen und militärischen Schutz liefert.
Auf der anderen Seite
Anschliessend verbringen wir einen Tag in einem Nachbardorf, wo junge Leute eine Genossenschaft gegründet haben, um Gemüse anzubauen. Alles dort ist rational und produktiv. Die Gruppe möchte zeigen, dass es möglich ist, auch auf diesen kleinen, sehr kargen Parzellen ohne Pestizide viel zu produzieren. Das hindert sie nicht daran, an der Vermehrung alter Saatgutsorten zu arbeiten; zu diesem Zweck säen wir gemeinsam Weizenparzellen mit Sorten aus Levante. Auch wenn der Getreideanbau in dieser Region zweifellos Zukunft hätte, kann die Ernte nicht mit Maschinen erfolgen: Der Lärm würde unweigerlich die israelischen Siedler·innen anlocken, die sie zerstören würden. Die Parzelle, die wir ausgesät haben, liegt übrigens zwischen einer Siedlung und einem zukünftigen israelischen Gewerbegebiet, dessen Gelände bereits eingezäunt ist.
Während der Aussaat treffen wir Saïd. Er ist Bauer auf der anderen Seite der Apartheidmauer, in dem Land, das im Westen als Israel bezeichnet wird und welches unsere Freundinnen und Freunde lieber «Palästina von 1948» nennen – in Anlehnung an das Datum, an dem 700.000 Palästinenser·innen vertrieben wurden. Er nimmt uns mit in seine Stadt, in der Nähe von Haifa und der libanesischen Grenze. Hier wurden die palästinensischen Familien zusammengefasst, die bei der Gründung Israels aus den umliegenden Dörfern vertrieben worden waren. Saïd zeigt uns die Ruinen eines der vielen Dörfer, die seit der Besatzung zerstört wurden. Wie so oft wurden an dieser Stelle schnell wachsende Bäume gepflanzt, um das Verbrechen zu verbergen. Die Überreste der Ruinen sind nur sichtbar, wenn man sie bewusst sucht.
Einige Tage lang arbeiten wir mit Saïd auf dem Bauernhof, der syntropische Landwirtschaft betreibt: Das Gemüse wächst zwischen Bäumen, von denen einige nur dazu dienen, den Boden mit ihrem Holz anzureichern, in einem Garten, der vor Leben nur so wimmelt. Saïd und seine Mutter schaffen es, ihre Oase trotz der Diskriminierung, der sie ausgesetzt sind, zum Blühen zu bringen. Selbst mit einem israelischen Pass haben sie in der Praxis nicht die gleichen Rechte wie Jüdinnen und Juden. Zum Beispiel dürfen sie bestimmte Früchte wie Mangos und Avocados nicht verkaufen und sie dürfen nicht mehr als drei Bienenstöcke besitzen. Auch hier gilt: Während wenige Kilometer entfernt hässliche Wohnblocks entstehen, ist es ihnen verboten, auf ihrem Land feste Gebäude zu errichten. Wie im Westjordanland passen sie sich daher mit Strukturen aus natürlichen und demontierbaren Materialien an.
In Israel manifestiert sich das Apartheidregime auf verschiedene Weise. Manchmal handelt es sich bei diesen Beschränkungen um Gesetze, die für alle gelten, aber in der Praxis werden Ausnahmen leicht gewährt, ausser für Araber·innen. Ein weiterer Trick besteht darin, aus angeblich «ökologischen» Gründen Beschränkungen in Gebieten zu schaffen, die nur von Araber·innen bewohnt sind. Diese Israelis, die als arabische Muslime, arabische Christ·innen, Drus·innen oder Beduin·innen bezeichnet werden und leicht zu identifizieren sind, da dies auf ihrem Personalausweis vermerkt ist, sind in Wirklichkeit die Nachkommen der Palästinenser·innen, die 1948 innerhalb der Grenzen Israels geblieben sind. So nimmt die Besatzung auf beiden Seiten der Trennmauer unterschiedliche Formen an, und selbst in der «einzigen Demokratie im Nahen Osten» ist die Apartheid gewalttätig. Auch Wasser ist ein Thema der Ungleichheit: Ein einziges Unternehmen hat das Monopol auf die Wasserversorgung in Israel, und die arabische Bevölkerung muss dafür viel mehr bezahlen als die jüdische. Auf Saïds Farm lassen sich diese Probleme einmal mehr durch Permakultur umgehen: Man baut Hügelbeete, um Wasser zurückzuhalten, bedeckt den Boden und nutzt Bäume, um Schatten zu spenden.
Wut und Hoffnung
Die letzte Woche unserer Reise verbringen wir in der Umgebung von Ramallah, um die verschiedenen Menschen wiederzusehen, die wir während unseres Aufenthalts kennengelernt haben. Wir werden immer mit einem Lächeln und überschwänglicher Grosszügigkeit empfangen. Unsere neuen Freunde und Freundinnen betonen, wie wichtig es für sie ist, in dieser verzweifelten Situation Besuch zu empfangen, und wir sind immer wieder beeindruckt von ihrem Wunsch, sich für eine nachhaltige Zukunft zu engagieren. Während dieser Reise haben wir viele politische Diskussionen geführt. Alle Menschen, die wir getroffen haben, sind wütend auf die Palästinensische Autonomiebehörde, die sie für korrupt und als Komplizin Israels betrachten. Trotz der finanziellen Unterstützung vieler Länder und NGOs für Palästina kommt nur wenig Geld tatsächlich bei den Palästinenser·innen an. Einige unserer Freund·innen sind der Meinung, dass es sich um eine bewusste Politik handelt, die darauf abzielt, die Menschen in prekären Lebensbedingungen zu halten, damit sie nicht die Mittel haben, Widerstand zu leisten und die Besatzungssituation in Frage zu stellen, von der die Palästinensische Autonomiebehörde profitiert. Bei unseren Begegnungen haben uns einige auch gesagt, dass sie sich privilegiert fühlen, nicht in Gaza oder in einem Flüchtlingslager zu sein. Einige sind der Meinung, dass diese «geschützte» Situation es ihnen ermöglicht, über einen möglichen Frieden und eine Koexistenz mit den Jüdinnen und Juden nachzudenken, und sie bewundern ihre Verwandten in Gaza dafür, dass sie ihnen weiterhin von ihren Plänen und ihrem Wunsch nach Leben und Frieden berichten.
Die Bindungen zu unseren palästinensischen Freunden und Freundinnen sind stark, und wir stellen fest, dass wir aus ähnlichen Verhältnissen stammen: Mittelschicht, etwas gereist, sensibel für soziale Gerechtigkeit, Ökologie und überzeugt vom Nutzen der ökologischen Landwirtschaft. Aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf: Trotz ihrer im Vergleich zu anderen Palästinenser·innen «privilegierten» Situation waren die meisten von ihnen bereits im Gefängnis und wissen, dass sie ständig in Gefahr sind, wieder ins Gefängnis zu kommen, aus ihrem Zuhause vertrieben zu werden, ihr Land zerstört zu sehen, Freund·innen zu verlieren oder getötet zu werden. Sie machen sich keine Illusionen über die Zukunft und bereiten sich darauf vor, das gleiche Schicksal wie ihre Nachbarn in Gaza oder Jenin zu erleiden. Die Vermehrung von Saatgut, die Eigenproduktion, die Agrarökologie und die Netzwerke der gegenseitigen Hilfe, an die wir aus humanitären und ökologischen Gründen glauben, erhalten so eine tiefgreifende Dimension, nämlich die des Überlebens und des Widerstands.
Julie und Vera
*Die Vornamen wurden geändert.
Applied Research Institute Jerusalem ARIJ
www.news.un.org/fr/story/2025/11/1157877
Am 26. Dezember 2025, kurz nach der Fertigstellung dieses Artikels, informierte uns ein Freund, dass 50 bewaffnete Siedler in das Dorf eingedrungen sind. Sie begaben sich zu den Wasserquellen und zerstörten die Pflanzen in der Umgebung. Die Bewohner·innen sind besorgter denn je.
Israelische NGO HaMoked, basierend auf Zahlen des IPS (israelische Strafvollzugsbehörde) www.hamoked.org/prisoners-charts.php
Zum Beispiel der Bericht der israelischen NGO B'Tselem «Welcome to hell», Juli 2024 www.btselem.org/publications/202408·welcome·to·hell
Siehe beispielsweise den Film «5 Broken Cameras», Emad Burnat und Guy Davidi, 2011
Gemäss der Aufteilung des Westjordanlands in drei Zonen im Rahmen der Osloer Abkommen von 1995, die eigentlich nur vorübergehend sein sollte. Die Zone C macht 60 Prozent des Territoriums aus, ist der einzige zusammenhängende Landstreifen und steht unter israelischer ziviler und militärischer Kontrolle.



