Flucht & Migration

Iuventa – Lebensrettung unter Anklage

von Die Besatzung von Iuventa, 01.04.2019, Veröffentlicht in Archipel 280

Das Rettungsschiff «Iuventa» der deutschen Flüchtlingshilfeorganisation «Jugend Rettet», das im Juli 2016 in See stach, wurde am 2. August 2017, nachdem es über 14‘000 Migrant·inn·en im Mittelmeer gerettet hatte, in Lampedusa «präventiv» von den italienischen Behörden beschlagnahmt, um «mögliche Straftaten» zu verhindern. Gegen zehn Besatzungsmitglieder wird heute wegen Unterstützung und Beihilfe zur illegalen Einwanderung ermittelt.

Schweizer Menschenrechtspreis Offene Alpen 2019

von Freundeskreis Cornelius Koch und Europäisches BürgerInnen Forum, 01.03.2019, Veröffentlicht in Archipel 279

Als Anerkennung und Dank für ihren mutigen Einsatz, mit dem sie notleidende Flüchtlinge in den Bergen retten und rassistische und fremdenfeindliche Übergriffe anprangern, haben wir beschlossen, den Schweizer Menschenrechtspreis «Offene Alpen» für das Jahr 2019 den «7 von Briançon» 1 zu verleihen.

Solidarität, aber auch Schikane

von Claude Braun, EBF Schweiz, Amanda Ioset, sosf.ch, 01.03.2019, Veröffentlicht in Archipel 279

An Weihnachten 2018 fand in Bern ein wunderschönes Benefizkonzert zu Gunsten des «Rasthauses für Frauen auf der Flucht» und deren Kinder in Rabat (Marokko) statt. Der Autor und Initiator des Rasthauses, Emmanuel Mbolela, wurde allerdings aufgrund seiner schwarzen Hautfarbe am 3. Februar 2019 in Lausanne von der Polizei schikaniert.

Riace: Ein neuer Wind

von Barbara und Hannes, EBF, 01.02.2019, Veröffentlicht in Archipel 278

Die letzten Monate waren alles andere als einfach für das Dorf Riace und seinen Bürgermeister «im Exil» Domenico Lucano. Der Bürgermeister hat noch immer nicht das Recht, in sein Dorf zurückzukehren, und er bleibt weiterhin aus rechtlich fadenscheinigen Gründen verbannt.

Diese Wunden werden nicht so schnell vernarben. Die neue italienische Regierung ist inzwischen offen rassistisch. Das grobschlächtige Auftreten von Innenminister Salvini sowie sein neues Sicherheitsgesetz, das schwerlich noch mit einer demokratischen Verfassung vereinbar ist, sind der traurige Beweis dafür.

Das kleine Dorf Riace wird trotz aller Schwierigkeiten seiner Idee treu bleiben, einer Welt, in der Solidarität und menschlicher Empfang offenbar nichts mehr gelten, etwas anderes entgegenzusetzen. Das Dorf ist nicht allein. Der Sturm, dem es ausgesetzt war, hat ein riesige Welle der Solidarität aus Italien aber auch von ausserhalb ausgelöst. Riace hat eine Lücke in der Mauer der Festung Europa geöffnet, aber auch in der Mauer, welche gewisse Medien unaufhörlich in unseren Köpfen errichten wollen, indem sie Flüchtende stets als Gefahr und Invasoren bezeichnen und nicht mehr als Menschen. Mauern, die inzwischen fatal geworden sind und kaum noch zu überwinden, tödliche Mauern aus Stacheldraht, Wüste und Meer. «Wir wollen einfach nur menschlich und offen bleiben». Diese Botschaft von Domenico Lucano wurde von vielen Menschen, die sich gegen die neue Barbarei der Abschreckung wenden, aufgegriffen, sie ist weit über die Grenzen Italiens hinaus auf Resonanz gestossen.

Gründung einer Stiftung

Wie kann Riace ohne Subventionen und Unterstützung der rassistischen Herren aus Rom weiterhin Flüchtlinge aufnehmen? Die Solidarität aus ganz Europa kann hier viel beitragen, aber man muss weiterhin geduldig sein, den richtigen Weg finden und Schritt für Schritt vorgehen. Die handwerklichen Aktivitäten könnten verstärkt aufgenommen werden, ein solidarischer Tourismus könnte das Dorf wirtschaftlich und menschlich beleben. Dies ist die Herausforderung, der sich eine Gruppe um den Bürgermeister Domenico Lucano stellen will. Als einer der ersten Schritte soll eine Stiftung mit dem Namen «E' stato il vento» (Es war der Wind) gegründet werden. Der Name der Stiftung weist darauf hin, dass es vor zwanzig Jahren reiner Zufall war, dass Riace zu seiner Bestimmung gekommen ist. Damals wurde nämlich eine Barke mit kurdischen Flüchtlingen durch den Wind vom Kurs abgetrieben und vor die Küste Riaces gespült. Das Gründungskomitee der Stiftung wurde am 12. Januar anlässlich einer Pressekonferenz im Dorf Caulonia unweit von Riace, in dem der verbannte Bürgermeister momentan wohnt, der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie soll in den nächsten Monaten als juristische Person gegründet werden und wird vor Ort die Unterstützungsbeiträge, welche in und ausserhalb Italiens gesammelt werden, verwalten.

Eine weitere Aufgabe des Vorstandes der Stiftung wird der Aufbau und die Begleitung der Kerngruppe in Riace sein, welche die zukünftigen Aktivitäten und Projekte in Riace in die Hand nimmt. Im Vorstand der Stiftung werden folgende Personen vertreten sein: Gianfranco Schiavone, der federführend an der Ausarbeitung des Flüchtlingsprogramms Italiens beteiligt war, welches jetzt von Inneminister Salvini wieder eingestellt wird. Eine weitere seit langer Zeit engagierte Person ist Chiara Sasso, nationale Koordinatorin des «Verbandes der Solidarischen Gemeinden» Italiens. Alex Zanottelli hat sich als Missionar der Kongregation der Combonianer sein Leben lang der Solidarität mit den Schwächsten gewidmet. Barbara Vecchio wird als Vertreterin des Europäischen BürgerInnenforums, welches seit zwanzig Jahren in Zu sammenarbeit mit der Kooperative Longo maï dieses Projekt begleitet, Einsitz nehmen. Zusätzlich sind zwei Magistraten vertreten: Emilio Sirianni von den «Demokratischen Magistraten in Kalabrien» und Livio Pepino, Magistrat aus dem Piemont. Auch dabei ist Giuseppe Lavorato, der ehemalige Bürgermeister von Rosarno, welcher in seinem Ort stets auf Seiten der Migrant·inn·en stand, welche unter dem Druck der Mafia unter schwierigsten Bedingungen in der Landwirtschaft arbeiten.

Zwischen Repression und Selbstermächtigung

von Alexander Behr, EBF, 18.01.2019

Am ersten Dezemberwochenende fand in der marokkanischen Hauptstadt Rabat die erste Konferenz der ARCOM statt. Die „Association des Refugi-é-s et Communautés Migrantes“, also die „Vereinigung der Geflüchteten und migrantischen Communities“ gilt aktuell als die wahrscheinlich dynamischste und stärkste Gruppe aus dem Spektrum der selbstorganisierten Migrant_innenvereine in Marokko. Die ARCOM wurde im Jahr 2005 von einer Gruppe von Geflüchteten aus der Demokratischen Republik Kongo gegründet, darunter der Buchautor und Aktivist Emmanuel Mbolela. Die Gruppe kann bereits auf eine Vielzahl von Aktionen zurückblicken. Seien es Proteste gegen Abschiebungen in das marokkanisch-algerische Grenzgebiet, Widerstand gegen Polizeigewalt, gegen die Externalisierung des EU-Grenzregimes sowie gegen die Passivität des UNHCR, oder Kampagnen für den Zugang zu Gesundheitsversorgung und für die Legalisierung von Papierlosen: Die Arbeit der ARCOM hat in unzähligen Fällen konkrete Hilfe geleistet und wohl oft auch Leben gerettet. Außerdem brachte die ARCOM die „Stimme der Stimmlosen“, also der Illegalisierten, mit Nachdruck in den öffentlichen Diskurs – sowohl in Marokko als auch in Europa. Die Gruppe ist Teil des Netzwerks Afrique Europe Interact und arbeitet eng mit dem Europäischen BürgerInnen Forum zusammen. Im Jahr 2014 gründete die ARCOM ein Frauenhaus für subsaharische Migrantinnen und schuf damit zum ersten Mal in der Geschichte Marokkos einen Ort, an dem von Gewalt Betroffene migrantische Frauen in Sicherheit sind.

Rettet Riace!

von Claude Braun, EBF Schweiz, 07.11.2018

Erinnern Sie sich noch an Riace in Süditalien? Dieses kleine Dorf, das vor 20 Jahren grosszügig die Flüchtlinge aufgenommen hatte, die an seiner Küste strandeten? Domenico Lucano, heute zum dritten Mal Bürgermeister, stellte den Flüchtlingen leerstehende Häuser zur Verfügung und förderte Landwirtschaft, Handwerk und sanften Tourismus, um das Dorf wieder zu beleben.

UNGARN: Terrorismus auf Ungarisch

von Michael Rössler, Fédération Européenne des Radios Libres (FERL), Forum Civique Européen (FCE), 24.02.2018, Veröffentlicht in Archipel 267

Am 8., 10. und 12. Januar fanden neue Verhandlungen im Prozess gegen Ahmed H. statt, der Ende 2016 in Ungarn wegen «Terrorismus» zu 10 Jahren Haft verurteilt worden war. Ein Vertreter des Forum Civique war als internationaler Prozessbeobachter vor Ort.

SCHWEIZ: Solidarität mit asylsuchenden Frauen und Kindern

von Sophie Guignard, Solidarité sans frontières, Fribourg, 23.02.2018, Veröffentlicht in Archipel 267

Der «Appel d’elles» wurde vom Collectif R aus Lausanne und mehreren feministischen und Asyl-Organisationen aus der Französischen Schweiz lanciert und will die Gleichgültigkeit anprangern, der viele Frauen auf ihrer Flucht und im Asyl begegnen.Asylorganisationen, die sich mit den Schicksalen von betroffenen Geflüchteten befassen, sind sehr oft mit unsäglichem Leid konfrontiert. Verletzliche Personen wie Frauen und Kinder, die bereits stark traumatisiert sind, werden unmenschlich empfangen. Nicht nur sind sie Opfer von Gewalt auf ihren Fluchtwegen, sondern sie werden bei ihrer Ankunft in der Schweiz für die erlittenen Gräuel verantwortlich gemacht und ungeachtet ihrer Situation ausgeschafft. So hat beispiels-weise das SEM (Schweizerisches Staatssekretariat für Migration) einer Frau, die auf ihrer Durchreise in Italien mehrere Monate auf der Strasse lebte und mehrmals vergewaltigt wurde, vorgeworfen, dass sie ihr Schicksal selber herausgefordert hätte, da sie in Italien nicht um Asyl bat.

Auslagerung der Migration: Auslagerung der Migration

von Bernard Schmid, Paris, 07.02.2018, Veröffentlicht in Archipel 266

Eine weitere extraterritoriale Auslagerung der Migrations- und Asylpolitik, weg von der Europäischen Union möglichst weit in die geographische Mitte Afrikas hinein: Das ist im Kern, was der fünfte gemeinsame Gipfel von EU und Afrikanischer Union (AU) am 29. und 30. November 2017 in Abidjan ergab.

Berne 13 novembre 2017

von Claude Braun FCE Suisse, 07.02.2018, Veröffentlicht in Archipel 266

Pour contrer cette tentative de publicité du «Groupe de contact de la Méditerranée centrale» sous la direction de Mme Simonetta Sommaruga, une conférence de presse a réuni plusieurs organisations de défense des droits humains. En voici quelques extraits.

MIGRATION: Sklaverei in Libyen

von Bernard Schmid, Paris, 07.02.2018, Veröffentlicht in Archipel 266

Im November 2017 kam es infolge der Ausstrahlung einer Reportage der sudanesisch-britischen Journalistin Nima Elbagir über die derzeit in Libyen praktizierte Sklaverei zu mehreren offiziellen Reaktionen betroffener Staaten. Was sind jedoch die politischen Faktoren für diese Situation in Libyen?