Landwirtschaft & Migration

Spanien: Biosol wegen Entlassungen gerichtlich verurteilt

von Raymond Gétaz, EBF Schweiz, 04.11.2015

Pressemitteilung von Mittwoch, dem 4. November 2015: Schweizer KonsumentInnen wehren sich mit Erfolg gegen Sozialdumping in der industriellen Landwirtschaft in Spanien. Fünf marokkanische Migrantinnen aus dem Plastikmeer von Almeria (Andalusien) gewinnen ihren Prozess gegen missbräuchliche Entlassungen durch die Firma Biosol Portocarrero. Eine Gruppe von kritischen KonsumentInnen aus der Schweiz hat sie dabei unterstützt. Im August 2014 entliess die Gemüseproduktions‐, Verpackungs‐ und Kommerzialisierungsfirma Biosol Portocarrero im spanischen Nijar fünf Arbeiterinnen, weil sie in der Fernsehsendung „Bio‐illusion“ von ARTE die miserablen Arbeitsbedingungen im Plastikmeer von Almeria angeprangert hatten. Die in der Gewerkschaft SOC organisierten Frauen verlangten ihre sofortige Wiedereinstellung, das Recht auf gewerkschaftliche Organisation und freie Meinungsäusserung. Kritische KonsumentInnen aus dem Umfeld des Europäischen BürgerInnenforums in Basel und der „Plattform für eine sozial nachhaltige Landwirtschaft“ in Gland (VD) informierten die Öffentlichkeit über diese skandalösen Entlassungen. Dies löste eine internationale Welle von Protesten aus. Die schweizerische Organisation Biosuisse, welche bis anhin die biologische Produktion der Firma Biosol zertifiziert hatte, versuchte in diesem Konflikt zu verhandeln. Dies führte zu keinem Erfolg. Im Januar 2015 entzog Biosuisse der Firma Biosol Portocarrero die“Knospe“ und verhinderte so den Verkauf derer Früchte und Gemüse in den Supermärkten von COOP in der Schweiz. Die entlassene Gewerkschaftsdelegierte, Hafida Mounjid, reichte zusammen mit den anderen Frauen Klage beim Arbeitsgericht ein. Während 14 Monaten mussten die Frauen um ihre Zukunft bangen. Keine andere Firma wollte die aufmüpfigen Marokkanerinnen beschäftigen. Überall wurden sie angefeindet, weil sie über die Arbeitsbedingungen berichtet hatten. Die Firma bot ihnen Entschädigungen an, doch die fünf Frauen lehnten diese ab, denn sie wollten zu ihrem Recht kommen: „Wir haben nichts schlechtes gemacht, es gab keinen Grund uns nach so vielen Jahren in dieser Firma zu entlassen, wir wollen keine Abfindungen, wir wollen weiterkämpfen, um an unsere Arbeit zurückzukehren, es geht um unsere Würde“.

SPANIEN: Biosol vor Gericht

von Federico Pacheco, 17.07.2015, Veröffentlicht in Archipel 238

Die industrielle Landwirtschaft in Almeria funktioniert dank der Ausbeutung von Migrant_innen, die sich in Europa in einer prekären Situation befinden. Der Kampf der Angestellten von Biosol Portocarrero verweist auf das gespannte soziale Klima an Ort und Stelle.

Neuer Kampf der Landarbeiter_innen im Souss

von Marc Ollivier Sozialwissenschaftler (CNRS), Frankreich, 27.04.2015, Veröffentlicht in Archipel 236

Es ist kalt in diesem Winter im Tal von Souss-Massa (Region von Agadir im Süden Marokkos). Trotzdem errichteten seit dem 8. Januar 2015 Arbeiter_innen (in grosser Mehrzahl Frauen) ein Tag und Nacht besetztes Lager vor einer der Verpackungsstationen der französischen Firmengruppe SOPROFEL-IDYL. Es handelt sich um ein französisch-marokkanisches Unternehmen, spezialisiert auf die Herstellung und den Export von landwirtschaftlichen Produkten, vor allem aussersaisonales Gemüse für Europa, das in Plastiktunnels gezogen wird. Der Konzern ist mit 7.000 Arbeit-nehmer_innen einer der grössten landwirtschaftlichen Handelsbetriebe Marokkos und auch Hauptlieferant von IDYL mit Sitz in Frankreich. Die beiden Teilhaber (ein Marokkaner und ein Franzose) trennten sich im Mai 2014 und teilten die Gruppe in zwei Unternehmen auf: ROSAFLOR und SOPROFEL-IDYL. Die Arbeit-nehmer_innen waren die ersten Opfer dieser Trennung. Sie wurden entlassen und sind seit dem Sommer 2014 ohne Arbeit; ihre Situation wurde dadurch sehr prekär. Dank der gewerkschaftlichen Aktion wurden dann die meisten von ihnen nach und nach wiedereingestellt; 140 Personen blieben jedoch ohne Arbeit, obwohl die beiden Unternehmen ihren Betrieb wiederaufgenommen hatten. SOPROFEL-IDYL weigert sich, diese Arbeit-nehmer_innen zu integrieren, unter dem Vorwand, es gäbe nicht genug Arbeit für alle. Die Neuangestellten müssen allerdings oft Überstunden absolvieren. Das alles ist kein Zufall, denn bei den Nicht-Eingestellten handelt es sich um die Gewerkschaftsmitglieder.

Oesterreich: Dieter Behr vom EBF im ORF

27.04.2015

Unter dem Titel "Hunger.Macht.Profite" finden in mehreren Städten Oesterreichs im März und April 2015 die Filmtage zum Recht auf Nahrung statt. Dazu waren am 7. April 2015 Christian Jochum von der Landwirtschaftskammer und Dieter Alexander Behr vom Europäischen BürgerInnenforum im ORF-Studio für ein kontradiktorisches Gespräch zu Gast. Hier finden Sie den 10-minütigen TV-Beitrag.

SPANIEN: Bitteres Obst und Gemüse

von Raymond Gétaz, 28.02.2015, Veröffentlicht in Archipel 233

Das Engagement des Europäischen BürgerInnen Forums gegen die moderne Sklaverei in der industriellen Landwirtschaft, vor allem mit der Gewerkschaft SOC in Almeria, geht ins fünfzehnte Jahr: Zeit, um Rückschau zu halten und auch Aktuelles zu berichten.

MODERN TIMES: Andalusien: TagelöhnerInnen ohne Chef

von Federico Pacheco *2, 05.11.2013, Veröffentlicht in Archipel 219

Die Tagelöhner_innen der Gewerkschaft SOC-SAT besetzen immer noch die Gewächshäuser eines Unternehmers der sich mit Schulden in Höhe von mehreren Millionen aus dem Staub gemacht hat1. Seit einigen Wochen haben sie begonnen den ersten Hektar Land in Selbstverwaltung zu kultivieren.

SPANIEN:Kampf um Land und Würde

von Federico Pacheco* Mai 2013, 06.08.2013, Veröffentlicht in Archipel 217

Angesichts der Krise des Kapitalismus und der zunehmenden Monopolisierung, verstärkt die andalusische Gewerkschaft SOC-SAT den Kampf um Land und Rechte der Landarbeiter_innen.

Das Plastik-Meer von Almeria in der NZZ

von Cornelia Derichsweiler, 01.06.2013

Unter diesem Titel erschien in der Neuen Zürcher Zeitung vom 15. Mai 2013 ein ganzseitiger Bericht. Er ist hier zu lesen.

Nur wenn geschossen wird, schauen alle auf die PflückerInnen; WOZ, 2.5.2013

von Sonja Wenger, 01.06.2013

Die Schüsse auf ErdbeerpflückerInnen in Griechenland vor zwei Wochen waren kein Einzelfall. Vielmehr haben die katastrophalen Arbeitsbedingungen immer wieder ähnliche Folgen, sei es in Andalusien, Süditalien, Marokko oder Griechenland. Unter diesem Titel erschien in der WOZ vom 2.5.2013 ein ausführlicher Bericht.

RUMÄNIEN: Neuaufteilung des Ostens

von Jana Frielinghaus Junge Welt, 03.04.2013, Veröffentlicht in Archipel 213

Nicht nur Afrika: Auch in Rumänien kaufen westeuropäische und andere Investoren in großem Stil Ackerland auf. Rund 800 000 Hektar Boden sind so verkauft worden. Kleinbauern verlieren ihre Existenzgrundlage.